Nachhaltigkeit

Das nachhaltigste Handy ist das, das schon gebaut wurde

Ein Gerät weiterzugeben ist keine symbolische Geste. Es ist der Punkt, an dem woanders eine Neuproduktion entfällt – und genau dort steckt der größte Teil der Umweltlast.

167 Mio.

Alt-Handys in Deutschland

So viele ausrangierte Geräte liegen in deutschen Haushalten – ungenutzt, aber voller Rohstoffe. (Bitkom, 2026)

≈ 75 %

CO₂ vor dem Einschalten

So groß ist der Anteil der Herstellung am Fußabdruck eines iPhones. Die Nutzung fällt dagegen kaum ins Gewicht. (Apple, 2025/26)

24,6 kg

CO₂e pro Nutzungsjahr

So viel vermeidet ein wiederaufbereitetes Smartphone gegenüber einem Neugerät – pro Jahr. (ADEME, 2022)

29,5 %

Sammelquote Elektroschrott

So viel wird in Deutschland eingesammelt. Die EU verlangt 65 Prozent – seit 2019. (UBA, 2023)

Das Wichtigste in Kürze
  • Rund drei Viertel der Emissionen eines Smartphones entstehen in der Herstellung – nicht beim Laden. Wer ein Gerät länger im Umlauf hält, spart genau diesen Teil.
  • In deutschen Haushalten liegen 167 Millionen Alt-Handys. Etwa jedes dritte ungenutzte Gerät in Europa wäre technisch noch für eine Aufbereitung geeignet.
  • Weiterverkaufen schlägt Recycling deutlich: Beim Recycling geht die gesamte Herstellungsenergie verloren, und weniger als ein Prozent der Seltenen Erden weltweit stammt aus Wiedergewinnung.

Der Fußabdruck entsteht, bevor du das Gerät zum ersten Mal einschaltest

Apple veröffentlicht für jedes Modell einen eigenen Umweltbericht. Für das iPhone 17 mit 256 GB weist der Bericht 55 kg CO₂-Äquivalente über den gesamten Lebensweg aus. Entscheidend ist aber nicht die Gesamtzahl, sondern ihre Verteilung: Materialgewinnung und Fertigung machen zusammen rund drei Viertel davon aus. Die Entsorgung am Ende liegt unter einem Prozent.

Das dreht die übliche Intuition um. Ein Gerät sparsam zu laden ändert wenig. Ein Gerät ein Jahr länger zu nutzen ändert viel – denn dieses Jahr verteilt dieselbe Herstellungslast auf eine längere Nutzungszeit.

CO₂-Fußabdruck über den gesamten Lebensweg, jeweils 256 GB
iPhone 17e47 kg CO₂e
iPhone 1755 kg CO₂e
iPhone 17 Pro64 kg CO₂e
iPhone 17 Pro Max67 kg CO₂e

Quelle: Apple Product Environmental Reports, September 2025 und März 2026. In allen vier Berichten entfallen rund 75 Prozent auf Materialgewinnung und Fertigung.

Was das praktisch heißt: Wenn dein altes iPhone bei jemand anderem noch zwei Jahre läuft, entfällt in dieser Zeit ein Neugerät. Gespart wird nicht ein bisschen Strom, sondern eine komplette Fertigung. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur CO₂-Bilanz gebrauchter Handys.

Deutschlands größte Rohstoffquelle liegt in Schubladen

Der Digitalverband Bitkom fragt jedes Jahr nach, wie viele ausrangierte Handys in deutschen Haushalten liegen. Im Frühjahr 2026 waren es 167 Millionen Geräte. Die Zahl sinkt langsam – 2022 waren es noch 210 Millionen –, aber sie bleibt gewaltig.

Interessanter als die Zahl sind die Gründe. Bitkom hat sie mit erhoben:

Warum das alte Handy liegen bleibtAnteil
„Könnte ich nochmal brauchen“48 %
Sorge um die eigenen Daten28 %
Emotionale Bindung an das Gerät25 %
Keine Zeit, sich darum zu kümmern19 %
Weiß nicht, wohin damit11 %

Bitkom Research, repräsentative Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren, März 2026.

Zwei dieser Gründe lassen sich in wenigen Minuten ausräumen. Wer Sorge um seine Daten hat, findet in unserer Anleitung, wie du dein iPhone rückstandslos löschst, bevor es das Haus verlässt. Und wer nicht weiß, wohin damit: Der Preis steht bei uns in 1 Minute fest.

Das Fraunhofer Austria Research hat 2025 durchgerechnet, was in den ungenutzten Geräten europäischer Haushalte steckt. In 642 Millionen Altgeräten schlummern rund 18 Tonnen Gold und 8.916 Tonnen Kobalt, zusammen ein Materialwert von etwa 1,57 Milliarden Euro. Und – das ist der wichtigere Befund – etwa jedes dritte dieser Geräte wäre technisch noch für eine Aufbereitung geeignet statt nur fürs Schreddern.

Was in einem einzigen Gerät steckt

Ein Smartphone enthält rund 60 verschiedene Stoffe. Die Mengen wirken lächerlich klein, bis man sie mit dem Aufwand vergleicht, sie aus dem Boden zu holen.

RohstoffMenge pro GerätWofür
Kobaltca. 6,3 gAkku
Kupferca. 900 mgLeiterbahnen, Verkabelung
Silberca. 306 mgKontakte, Lötstellen
Goldca. 30 mgKorrosionsfreie Kontakte
Palladiumca. 9 mgKondensatoren

Werte nach Verbraucherzentrale NRW (2025) und Wuppertal Institut. Je nach Modell und Baujahr weichen sie ab.

Das Umweltbundesamt formuliert den Vergleich, der hängen bleibt: Der Goldanteil eines durchschnittlichen Mobiltelefons entspricht dem, was in 16 Kilogramm Golderz steckt. Diese 16 Kilogramm müssen gesprengt, gemahlen und chemisch aufgeschlossen werden – für ein paar Milligramm Metall, das in deiner Schublade bereits fertig verarbeitet liegt.

Das Wuppertal Institut hat für ein Mobiltelefon einen „ökologischen Rucksack“ von rund 75 Kilogramm berechnet: die Menge an Material, die weltweit bewegt wird, damit ein 80-Gramm-Gerät entsteht. Das ist etwa das Neunhundertfache seines eigenen Gewichts. Welche Stoffe konkret drinstecken, hat unser Ratgeber zu den Rohstoffen im iPhone im Detail.

Elektroschrott wächst fünfmal schneller als das Recycling

Der Global E-waste Monitor der Vereinten Nationen ist die maßgebliche Bestandsaufnahme. Die Ausgabe 2024 zeichnet ein unangenehmes Bild:

In Deutschland sieht es nicht besser aus. Die Sammelquote für Elektroaltgeräte lag 2023 laut Umweltbundesamt bei 29,5 Prozent. Vorgeschrieben sind seit 2019 EU-weit 65 Prozent. Das Ziel wird damit im siebten Jahr in Folge verfehlt – und die Lücke ist größer als die Hälfte des Ziels.

Wichtig zu unterscheiden: Von den Geräten, die tatsächlich in der Sammlung landen, werden über 84 Prozent verwertet (Statistisches Bundesamt, 2024). Das Problem ist also nicht die Recyclinganlage. Das Problem ist der Weg dorthin.

Nutzungsdauer ist der stärkste Hebel, den es gibt

Das Öko-Institut hat für den Verbraucherzentrale Bundesverband durchgerechnet, was eine längere Nutzung bringt. Wird ein Smartphone statt 2,5 Jahre insgesamt 7 Jahre genutzt, spart das pro Gerät rund 98 kg CO₂-Äquivalente – und nebenbei etwa 242 Euro, die nicht für ein Neugerät ausgegeben werden. Hochgerechnet auf Deutschland wären das 0,9 Millionen Tonnen CO₂e im Jahr.

Das Europäische Umweltbüro kommt auf einer anderen Ebene zum selben Schluss: Würden alle Smartphones in der EU nur ein einziges Jahr länger genutzt, ließen sich jährlich über zwei Millionen Tonnen CO₂e vermeiden. Das entspricht in etwa dem gesamten Pkw-Verkehr Dänemarks.

Ein Verkauf ist genau das – Nutzungsdauerverlängerung, nur mit gewechselter Besitzerin oder gewechseltem Besitzer. Und je früher er passiert, desto besser: Ein Gerät, das drei Jahre in der Schublade altert, hat einen schwächeren Akku und einen niedrigeren Wert. Wann der beste Moment ist, haben wir im Ratgeber zum richtigen Verkaufszeitpunkt aufgeschrieben.

Weiternutzen schlägt Recyceln – und zwar deutlich

Beide Wege halten Material im Kreislauf, aber sie sind nicht gleichwertig. Beim Recycling wird ein fertiges Produkt in seine Bestandteile zerlegt; die Energie und die Hunderte Fertigungsschritte, die darin stecken, sind danach weg. Bei der Aufbereitung bleibt das Produkt ein Produkt.

Die Rangfolge, in der Material am meisten Wert behält
WeiternutzenGerät bleibt Gerät
Aufbereiten≈ 87 % weniger Klimawirkung
RecycelnMaterial bleibt, Produkt nicht
EntsorgenAlles verloren

Die Prozentangabe stammt aus der ADEME-Studie 2022 zum Indikator Klimawandel; über alle geprüften Umweltindikatoren liegt die Spanne bei 77 bis 91 Prozent. Die Balkenlängen sind eine Veranschaulichung der Rangfolge, keine Messwerte.

Die französische Umweltagentur ADEME hat 2022 die bislang gründlichste Ökobilanz zu wiederaufbereiteten Geräten vorgelegt. Pro Nutzungsjahr vermeidet ein aufbereitetes Smartphone gegenüber einem Neugerät 24,6 kg CO₂-Äquivalente und 76,9 kg Rohstoffe. Über den Indikator Klimawandel entspricht das rund 87 Prozent weniger Belastung. Fraunhofer Austria kommt 2025 unabhängig davon auf 81 Prozent Einsparung.

Was „wiederaufbereitet“ technisch bedeutet und woran du gute von schlechter Aufbereitung unterscheidest, erklärt unser Beitrag Refurbished erklärt.

Was der Gesetzgeber inzwischen verlangt

Die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten beiden Jahren spürbar verschoben. Zwei Regelwerke sind für gebrauchte Geräte besonders relevant:

Ökodesign-Verordnung für Smartphones – gilt seit 20. Juni 2025

Recht auf Reparatur – seit 31. Juli 2026 anwendbar

Die EU-Richtlinie 2024/1799 verpflichtet Hersteller, Reparaturen zu einem angemessenen Preis und in angemessener Frist anzubieten, die Preise transparent zu veröffentlichen und Reparaturen nicht durch technische oder vertragliche Hürden zu behindern. Deutschland hat die Richtlinie umgesetzt.

Beides zieht in dieselbe Richtung: Geräte sollen länger leben. Ein funktionierender Gebrauchtmarkt ist die andere Hälfte davon – ohne ihn nützt die längste Ersatzteilpflicht wenig, wenn die Geräte trotzdem in der Schublade bleiben.

Was wir konkret damit machen

Wir sind kein reiner Onlinehändler. Hinter recanbo steht mobiletheresie an der Theresienhöhe in München – eine Werkstatt, in der täglich Geräte geöffnet, geprüft und repariert werden. Das ist der Grund, warum wir auch Geräte annehmen, die andere ablehnen.

1

Ankaufen

Wir kaufen dein Gerät an – auch mit Displaybruch, schwachem Akku oder Defekt.

2

Prüfen und löschen

Jedes Gerät wird technisch geprüft und der Speicher gelöscht, bevor es weitergeht.

3

Reparieren

Was sich in der eigenen Werkstatt instand setzen lässt, wird instand gesetzt.

4

Weitergeben

Das Gerät bekommt neue Besitzer – und ersetzt dort ein Neugerät.

Geräte, die sich wirtschaftlich nicht mehr instand setzen lassen, wandern nicht in den Restmüll, sondern in die fachgerechte Verwertung nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Wenn du dein Gerät gar nicht verkaufen, sondern nur loswerden willst, erklärt unser Ratgeber, wie du ein altes Handy richtig entsorgst – auch ohne uns.

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Häufige Fragen

Lohnt sich der Verkauf ökologisch, wenn mein Handy nur in der Schublade liegt?

Ja, und zwar deutlicher als die meisten vermuten. Ein Gerät in der Schublade schadet niemandem, aber es ersetzt auch kein Neugerät. Erst wenn es weitergenutzt wird, entfällt woanders eine Neuproduktion – und genau dort entstehen laut Apples eigenen Umweltberichten rund drei Viertel der Emissionen eines iPhones. Nach Berechnungen der französischen Umweltagentur ADEME vermeidet ein wiederaufbereitetes Smartphone rund 24,6 kg CO₂-Äquivalente und 76,9 kg Rohstoffe pro Nutzungsjahr.

Was passiert mit meinen Daten, bevor das Gerät weiterverkauft wird?

Wir setzen jedes Gerät nach dem Eingang zurück und löschen den Speicher, bevor es weitergeht. Trotzdem gilt: Melde dich vor dem Versand selbst aus iCloud ab und setze das Gerät auf Werkseinstellungen zurück – dann ist die Aktivierungssperre gelöst und deine Daten sind schon weg, bevor das Paket unterwegs ist. Wie das Schritt für Schritt geht, steht in unserer Anleitung zum sicheren Löschen.

Nehmt ihr auch Geräte an, die sich nicht mehr aufbereiten lassen?

Ja. Wir kaufen auch defekte Geräte an. Lässt sich ein Gerät wirtschaftlich nicht mehr reparieren, geht es nicht in den Restmüll, sondern in die fachgerechte Verwertung nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Auch dann bleiben Kupfer, Gold und Kobalt im Kreislauf – nur eben als Sekundärrohstoff statt als funktionierendes Gerät.

Ist Recycling nicht genauso gut wie Wiederverwenden?

Nein. Recycling gewinnt einen Teil der Metalle zurück, aber die Herstellungsenergie und die Fertigungsschritte sind unwiederbringlich verloren. Beim Global E-waste Monitor 2024 stammt weltweit weniger als ein Prozent des Bedarfs an Seltenen Erden aus Recycling. Ein Gerät weiterzunutzen ist deshalb immer die bessere Stufe – Recycling ist die Auffanglösung, nicht das Ziel.

Quellen

Alle Zahlen auf dieser Seite stammen aus den unten genannten Veröffentlichungen. Wir aktualisieren die Seite, wenn neue Ausgaben erscheinen. Stand: September 2026.

Zur Einordnung

Alle Angaben sind Durchschnitts- und Richtwerte. Der tatsächliche Effekt hängt vom Modell, vom Baujahr und davon ab, wie lange ein Gerät nach der Aufbereitung weiterläuft. Wir verzichten bewusst auf gängige Zahlen, die sich nicht auf eine überprüfbare Quelle zurückführen lassen.

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