Nachhaltigkeit

Welche Rohstoffe in deinem Handy stecken

In einem Gerät von 170 Gramm stecken Stoffe aus einem halben Dutzend Kontinenten. Die meisten davon sieht man nie – und die wenigsten kommen zurück.

LGvon Luay Georgis·Inhaber von recanbo··7 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
  • In einem Smartphone stecken Bestandteile von rund 30 bis 60 Elementen – von Gold und Kupfer bis zu Tantal und seltenen Erden.
  • Kupfer und Edelmetalle lassen sich gut zurückgewinnen, seltene Erden bislang praktisch nicht.
  • Weltweit fielen 2022 rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott an; nur etwa ein Fünftel wurde nachweislich fachgerecht recycelt.

Ein Smartphone ist eines der stofflich komplexesten Alltagsprodukte überhaupt. Je nach Zählweise stecken darin Bestandteile von rund 30 bis 60 chemischen Elementen – vom Aluminium des Gehäuses bis zu Elementen, deren Namen die meisten Menschen noch nie gehört haben.

Die wichtigsten Gruppen

Edelmetalle

Gold, Silber, Palladium und Platin sitzen auf der Hauptplatine – Gold, weil es hervorragend leitet und nicht korrodiert, deshalb wird es für Kontakte und Leiterbahnen verwendet. Die Mengen pro Gerät sind winzig: bei Gold liegen die gängigen Schätzungen im Bereich weniger Hundertstel Gramm, bei Silber im Bereich von wenigen Zehntelgramm. Millionenfach summiert wird daraus eine relevante Menge – ein Grund, warum Fachleute von „urban mining“ sprechen: Der Metallgehalt einer Tonne Altgeräte liegt deutlich über dem einer Tonne Erz aus einer Mine.

Kupfer und Aluminium

Die mengenmäßig größten Metalle. Kupfer für Leiterbahnen, Spulen und Kabel, Aluminium für Rahmen und Gehäuse. Beide lassen sich vergleichsweise gut zurückgewinnen.

Kobalt und Lithium

Der Akku. Kobalt stabilisiert die Kathode und ist der Rohstoff mit dem größten sozialen Konfliktpotenzial: Ein sehr großer Teil der weltweiten Förderung stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, ein Teil davon aus Kleinbergbau mit dokumentierten Problemen bei Arbeitsschutz und Kinderarbeit. Die Hersteller arbeiten daran, den Kobaltanteil zu senken und Lieferketten zu prüfen – gelöst ist das Thema nicht.

Tantal

Steckt in den winzigen Kondensatoren, die es erlauben, viel Kapazität auf wenig Fläche unterzubringen. Tantal wird aus Coltan gewonnen, das ebenfalls überwiegend aus der Region der Großen Seen in Zentralafrika kommt – einer der Gründe, warum es zu den „Konfliktmineralien“ zählt, für die es inzwischen EU-Sorgfaltspflichten gibt.

Seltene Erden

Neodym und Praseodym in den Magneten von Lautsprecher und Vibrationsmotor, Terbium, Dysprosium, Europium und Yttrium in Displays und Sensorik. „Selten“ sind sie nicht wegen ihres Vorkommens, sondern weil sie in abbauwürdiger Konzentration selten sind und ihre Trennung chemisch aufwendig und umweltbelastend ist. Der Abbau ist stark auf wenige Länder konzentriert.

Und das Übrige

Zinn im Lot, Indium in der leitfähigen Schicht des Touchscreens, Wolfram im Vibrationsmotor, Silizium in Chips und Glas, Magnesium, Nickel, Zink, dazu Kunststoffe und Klebstoffe.

Der entscheidende Punkt: Nicht die Menge macht das Problem, sondern die Mischung. Alles ist auf engstem Raum verlötet, verklebt und beschichtet. Genau deshalb ist die Rückgewinnung so schwierig.

EdelmetalleGold, Silber, Palladium, Platin – auf der Hauptplatine, für Kontakte und Leiterbahnen.
Kupfer und AluminiumMengenmäßig am größten: Leiterbahnen, Spulen, Rahmen und Gehäuse.
Kobalt und LithiumIm Akku. Kobalt ist der Rohstoff mit dem größten sozialen Konfliktpotenzial.
TantalIn den Kondensatoren. Wird aus Coltan gewonnen, zählt zu den Konfliktmineralien.
Seltene ErdenNeodym und Praseodym in Lautsprecher und Vibrationsmotor, weitere in Display und Sensorik.
Zinn, Indium, WolframIm Lot, in der leitfähigen Schicht des Touchscreens, im Vibrationsmotor.
Sechs Stoffgruppen, die in praktisch jedem Smartphone stecken.

Warum Recycling nur zum Teil funktioniert

In modernen Schmelzverfahren lassen sich Kupfer, Gold, Silber, Palladium und einige weitere Metalle mit guten Ausbeuten zurückgewinnen. Bei anderen Stoffen sieht es schlechter aus: Seltene Erden werden in der Praxis bislang kaum aus Elektronikschrott zurückgewonnen, weil die Mengen pro Gerät zu klein und die Trennung zu aufwendig ist. Lithium ist ebenfalls schwierig, wenn auch in Bewegung.

Dazu kommt, dass ein großer Teil der weltweit anfallenden Altgeräte gar nicht erst in geordneten Verfahren landet. Der Global E-waste Monitor beziffert das weltweite Aufkommen an Elektroschrott für 2022 auf rund 62 Millionen Tonnen, von denen nur etwa ein Fünftel nachweislich fachgerecht gesammelt und recycelt wurde.

Was daraus folgt

Die beste Rohstoffpolitik für ein Smartphone ist, es länger zu benutzen. Jedes Jahr zusätzliche Nutzung verteilt den gesamten Rohstoff- und Energieaufwand der Herstellung auf mehr Zeit – ganz ohne technische Innovation. Und ein Gerät, das den Besitzer wechselt statt ersetzt zu werden, spart eine komplette Neuproduktion.

Das ist der Grund, warum wir Geräte ankaufen und aufbereiten, statt sie zu verschrotten. Und warum wir in wohin ein wirklich unbrauchbares Gerät gehört schreiben, dass der Wertstoffhof die zweitbeste Lösung ist. Wie viel das konkret ausmacht, steht in die CO₂-Rechnung im Detail.

Quellenhinweis: Die genannten Mengen und Anteile sind Größenordnungen aus öffentlich zugänglichen Quellen, unter anderem dem Global E-waste Monitor der UNITAR/ITU sowie Veröffentlichungen des Umweltbundesamtes. Die Werte je Gerät schwanken je nach Modell, Baujahr und Untersuchungsmethode erheblich.

Wie gut sich die einzelnen Stoffe zurückgewinnen lassen

StoffRückgewinnungWarum
KupfergutGroße Mengen, etablierte Schmelzverfahren
Gold, Silber, PalladiumgutHoher Wert rechtfertigt den Aufwand
AluminiumgutGehäuseteile lassen sich mechanisch trennen
KobaltmittelÜber Batterierecycling möglich, aber nicht flächendeckend
LithiumschwierigAufwendig, Verfahren erst im Aufbau
TantalschwierigWinzige Mengen pro Bauteil
Seltene Erdenpraktisch nichtZu geringe Konzentration, chemische Trennung zu aufwendig

Diese Tabelle erklärt, warum Recycling die zweitbeste Lösung bleibt. Selbst gute Verfahren holen nur einen Teil zurück – der Rest ist nach der Verwertung dauerhaft aus dem Kreislauf.

Urban Mining: die Zahl, die alle zitieren

Fachleute sprechen von „urban mining“, weil der Metallgehalt einer Tonne Altgeräte deutlich über dem einer Tonne Erz aus einer Mine liegt. Das ist keine Marketingfigur, sondern schlicht eine Frage der Konzentration: In einem Bergwerk werden Gramm pro Tonne gefördert, in Elektronik sind Edelmetalle gezielt dort verbaut, wo sie gebraucht werden.

Der Haken liegt beim Sammeln. Der Global E-waste Monitor beziffert das weltweite Aufkommen an Elektroschrott für 2022 auf rund 62 Millionen Tonnen, von denen nur etwa ein Fünftel nachweislich fachgerecht gesammelt und recycelt wurde. Der größere Teil landet in informellen Strukturen oder gar nicht erst in einer Sammlung – und mit ihm die Rohstoffe.

Was daraus für dich folgt

  1. Länger nutzen. Jedes zusätzliche Jahr verteilt den gesamten Rohstoffaufwand auf mehr Zeit – ganz ohne Technik.
  2. Weitergeben statt liegen lassen. Ein Gerät, das den Besitzer wechselt, ersetzt eine komplette Neuproduktion. Wie viel das ausmacht, steht in der wie viel ein zweites Leben wirklich bringt.
  3. Wenn wirklich nichts mehr geht: richtig abgeben. Die Wege stehen unter Rücknahme und Wertstoffhof.
  4. Niemals in den Restmüll. Weder Gerät noch loser Akku.

Häufige Fragen

Wie viel Gold steckt in einem Smartphone?

Nur wenige Hundertstel Gramm. Relevant wird die Menge erst in der Masse: Der Metallgehalt einer Tonne Altgeräte liegt deutlich über dem einer Tonne Golderz.

Welche Rohstoffe stecken in einem iPhone?

Unter anderem Aluminium, Kupfer, Gold, Silber, Palladium, Kobalt und Lithium im Akku, Tantal in den Kondensatoren sowie seltene Erden wie Neodym in Lautsprecher und Vibrationsmotor.

Werden alle Rohstoffe aus alten Handys zurückgewonnen?

Nein. Kupfer und Edelmetalle lassen sich gut zurückgewinnen, seltene Erden bislang kaum. Weltweit wird nur etwa ein Fünftel des Elektroschrotts nachweislich fachgerecht recycelt.

Warum ist Kobalt im Handy problematisch?

Ein großer Teil der weltweiten Förderung stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, teilweise aus Kleinbergbau mit dokumentierten Problemen bei Arbeitsschutz und Kinderarbeit.

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Über diesen Artikel

Zuletzt geprüft am . Wir überarbeiten den Text, wenn sich Abläufe bei Apple, gesetzliche Vorgaben oder unsere eigenen Bedingungen ändern. Beträge im Text sind Größenordnungen; verbindlich ist der Betrag im Preisrechner.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  • Global E-waste Monitor 2024 (UNITAR/ITU)
  • Umweltbundesamt: Rohstoffe in Elektro- und Elektronikgeräten

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