Was in deinem iPhone steckt
In einem Gerät von 170 Gramm stecken Stoffe aus einem halben Dutzend Kontinenten. Die meisten davon sieht man nie – und die wenigsten kommen zurück.
In einem Gerät von 170 Gramm stecken Stoffe aus einem halben Dutzend Kontinenten. Die meisten davon sieht man nie – und die wenigsten kommen zurück.
Ein Smartphone ist eines der stofflich komplexesten Alltagsprodukte überhaupt. Je nach Zählweise stecken darin Bestandteile von rund 30 bis 60 chemischen Elementen – vom Aluminium des Gehäuses bis zu Elementen, deren Namen die meisten Menschen noch nie gehört haben.
Gold, Silber, Palladium und Platin sitzen auf der Hauptplatine – Gold, weil es hervorragend leitet und nicht korrodiert, deshalb wird es für Kontakte und Leiterbahnen verwendet. Die Mengen pro Gerät sind winzig: bei Gold liegen die gängigen Schätzungen im Bereich weniger Hundertstel Gramm, bei Silber im Bereich von wenigen Zehntelgramm. Millionenfach summiert wird daraus eine relevante Menge – ein Grund, warum Fachleute von „urban mining“ sprechen: Der Metallgehalt einer Tonne Altgeräte liegt deutlich über dem einer Tonne Erz aus einer Mine.
Die mengenmäßig größten Metalle. Kupfer für Leiterbahnen, Spulen und Kabel, Aluminium für Rahmen und Gehäuse. Beide lassen sich vergleichsweise gut zurückgewinnen.
Der Akku. Kobalt stabilisiert die Kathode und ist der Rohstoff mit dem größten sozialen Konfliktpotenzial: Ein sehr großer Teil der weltweiten Förderung stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, ein Teil davon aus Kleinbergbau mit dokumentierten Problemen bei Arbeitsschutz und Kinderarbeit. Die Hersteller arbeiten daran, den Kobaltanteil zu senken und Lieferketten zu prüfen – gelöst ist das Thema nicht.
Steckt in den winzigen Kondensatoren, die es erlauben, viel Kapazität auf wenig Fläche unterzubringen. Tantal wird aus Coltan gewonnen, das ebenfalls überwiegend aus der Region der Großen Seen in Zentralafrika kommt – einer der Gründe, warum es zu den „Konfliktmineralien“ zählt, für die es inzwischen EU-Sorgfaltspflichten gibt.
Neodym und Praseodym in den Magneten von Lautsprecher und Vibrationsmotor, Terbium, Dysprosium, Europium und Yttrium in Displays und Sensorik. „Selten“ sind sie nicht wegen ihres Vorkommens, sondern weil sie in abbauwürdiger Konzentration selten sind und ihre Trennung chemisch aufwendig und umweltbelastend ist. Der Abbau ist stark auf wenige Länder konzentriert.
Zinn im Lot, Indium in der leitfähigen Schicht des Touchscreens, Wolfram im Vibrationsmotor, Silizium in Chips und Glas, Magnesium, Nickel, Zink, dazu Kunststoffe und Klebstoffe.
Der entscheidende Punkt: Nicht die Menge macht das Problem, sondern die Mischung. Alles ist auf engstem Raum verlötet, verklebt und beschichtet. Genau deshalb ist die Rückgewinnung so schwierig.
In modernen Schmelzverfahren lassen sich Kupfer, Gold, Silber, Palladium und einige weitere Metalle mit guten Ausbeuten zurückgewinnen. Bei anderen Stoffen sieht es schlechter aus: Seltene Erden werden in der Praxis bislang kaum aus Elektronikschrott zurückgewonnen, weil die Mengen pro Gerät zu klein und die Trennung zu aufwendig ist. Lithium ist ebenfalls schwierig, wenn auch in Bewegung.
Dazu kommt, dass ein großer Teil der weltweit anfallenden Altgeräte gar nicht erst in geordneten Verfahren landet. Der Global E-waste Monitor beziffert das weltweite Aufkommen an Elektroschrott für 2022 auf rund 62 Millionen Tonnen, von denen nur etwa ein Fünftel nachweislich fachgerecht gesammelt und recycelt wurde.
Die beste Rohstoffpolitik für ein Smartphone ist, es länger zu benutzen. Jedes Jahr zusätzliche Nutzung verteilt den gesamten Rohstoff- und Energieaufwand der Herstellung auf mehr Zeit – ganz ohne technische Innovation. Und ein Gerät, das den Besitzer wechselt statt ersetzt zu werden, spart eine komplette Neuproduktion.
Das ist der Grund, warum wir Geräte ankaufen und aufbereiten, statt sie zu verschrotten. Und warum wir in Altes Handy entsorgen schreiben, dass der Wertstoffhof die zweitbeste Lösung ist. Wie viel das konkret ausmacht, steht in Wie viel CO₂ spart ein gebraucht gekauftes Handy?.
Quellenhinweis: Die genannten Mengen und Anteile sind Größenordnungen aus öffentlich zugänglichen Quellen, unter anderem dem Global E-waste Monitor der UNITAR/ITU sowie Veröffentlichungen des Umweltbundesamtes. Die Werte je Gerät schwanken je nach Modell, Baujahr und Untersuchungsmethode erheblich.
Nur wenige Hundertstel Gramm. Relevant wird die Menge erst in der Masse: Der Metallgehalt einer Tonne Altgeräte liegt deutlich über dem einer Tonne Golderz.
Unter anderem Aluminium, Kupfer, Gold, Silber, Palladium, Kobalt und Lithium im Akku, Tantal in den Kondensatoren sowie seltene Erden wie Neodym in Lautsprecher und Vibrationsmotor.
Nein. Kupfer und Edelmetalle lassen sich gut zurückgewinnen, seltene Erden bislang kaum. Weltweit wird nur etwa ein Fünftel des Elektroschrotts nachweislich fachgerecht recycelt.
Ein großer Teil der weltweiten Förderung stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, teilweise aus Kleinbergbau mit dokumentierten Problemen bei Arbeitsschutz und Kinderarbeit.
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